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heute ist der 23.02.2012  letzte Änderung am 21.02.2012 

Aktuelles

GERMAP 2010

GERMAP 2010
GERMAP 2010

In der Humanmedizin werden zunehmend Antibiotika mit einem breiten Wirkungsspektrum verwendet. Dies betrifft sowohl den ambulanten als auch den stationären Versorgungsbereich. „Breitspektrumantibiotika wie Fluorchinolone und bestimmte Cephalosporine üben einen besonders hohen Druck zugunsten der Selektion multiresistenter Erreger aus“, so Professor Dr. Michael Kresken, Wissenschaftlicher Sekretär der PEG, bei der Veröffentlichung von GERMAP 2010.

GERMAP 2010 ist der zweite Bericht über die Entwicklung des Antibiotikaverbrauches und der Verbreitung von Antibiotikaresistenzen in der Human- und Veterinärmedizin in Deutschland, der gemeinsam vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie und dem Infektionszentrum am Universitätsklinikum Freiburg herausgegeben wird. Der Bericht  fasst die beobachteten Trends während der letzten Jahre zusammen und stellt somit eine Basis für die Entwicklung von Leitlinien und Empfehlungen für die Therapie von Infektionskrankheiten bei Menschen und Tieren mit Antibiotika dar.

Multiresistente Escherichia coli

Die Humanmedizin sieht sich zunehmend mit Infektionen durch ESBL-bildende Escherichia coli konfrontiert. „Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, wenn geeignete Gegenmaßnahmen wie die Forderung nach einem sachgerechten Einsatz von Antibiotika nur unzureichend umgesetzt werden“ erläutert Kresken. ESBL (Extended-Spektrum-Betalaktamasen) sind von Bakterien gebildete Enzyme, die auch Betalaktamantibiotika mit einem sehr breiten Wirkungsspektrum inaktivieren können. Ein weiteres Problem: ESBL-bildende Stämme sind multiresistent, d. h. „die therapeutischen Alternativen bei Infektionen durch diese Erreger sind erheblich eingeschränkt“, wie Professor Dr. Winfried V. Kern vom Universitätsklinikum Freiburg erklärte.

Die Projektpartner erinnern daran, dass jede überflüssige, nicht auf den tatsächlichen Erreger gerichtete oder nicht zu Ende geführte Antibiotikatherapie die Entwicklung von Resistenzen begünstigt. Daher müsse der Entstehung und Ausbreitung von Resistenzen in Deutschland mit größerem Nachdruck auf allen Ebenen weiter entgegengetreten werden.

Der Antibiotika-Resistenzatlas 2010 steht online zur Verfügung unter www.p-e-g.org/econtext/germap. Druckexemplare können zu einem Preis von 25 Euro incl. Versandkosten gegen Rechnung bezogen werden bei der

Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V.
Campus Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Von-Liebig-Straße 2, 53359 Rheinbach
Telefon: 02226 9089-16, Telefax: 02226 9089-18
E-Mail: geschaeftsstelle@p-e-g.org

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Hintergrundinformationen

Die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie ist mit z. Zt. rund 900 Mitgliedern die größte deutschsprachige Fachgesellschaft auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten und ihrer Therapie. Zu den Aktivitäten der Gesellschaft gehören die regelmäßige Erhebung von Resistenzdaten bei klinisch wichtigen Bakterienspezies in Deutschland und im mitteleuropäischen Raum sowie die Erstellung von Leitlinien und Empfehlungen.

Die Sektion Klinische Infektiologie am Universitätsklinikum ist Mitgliedsinstitution des Freiburger Zentrums für Infektionsmedizin. Als klinisch-internistische Abteilung betreut sie Patienten mit Infektionskrankheiten aller Art, betreibt eine Spezialambulanz für Patienten mit multiresistenten Erregern und bietet reisemedizinische Beratung mit Impfsprechstunde an. Die Freiburger Infektiologie unterstützt eine vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Fortbildungsinitiative zur rationalen Antibiotika-Verordnung und ist in der klinischen und grundlagennahen Infektionsforschung aktiv.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist zuständig für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und gentechnisch veränderten Organismen. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt das BVL umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union. Im Zusammenwirken mit nationalen Behörden in anderen Mitgliedstaaten der EU setzt sich das BVL für den wirtschaftlichen Schutz der Verbraucher ein.

Viren, Bakterien, Einzeller und Pilze können Eigenschaften entwickeln, die die Wirkung antibiotisch aktiver Substanzen abzuschwächen oder vollständig außer Kraft setzen. Dies wird als Antibiotika-Resistenz bezeichnet. In der Human- wie der Veterinärmedizin hat die unkritische Verschreibung von Antibiotika zur Bildung von Resistenzen geführt, so dass im Krankheitsfall bei einem echten Bedarf die Antibiotika dann nicht mehr wirken. Antibiotika sollten deshalb nur eingesetzt werden, wenn ihre Verabreichung eindeutig angezeigt ist. Auch ein zu früher Abbruch der Antibiotikatherapie oder eine zu niedrige Dosierung können beim Menschen wie in der Tierhaltung die Entstehung von Antibiotikaresistenzen begünstigen. Die Therapie muss konsequent zu Ende geführt werden. Eine weitere wichtige Quelle resistenter Erreger ist nach wie vor in der intensiven Nutztierhaltung zu sehen./mk

Weitere Auskünfte erteilt:
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